Da steht sie malerisch auf dem Kirchberg- die Westerfelder Kirche, die sich als kleines Kleinod entpuppt. Sie wurde zwischen 1718-1720 neu gebaut, nachdem die vorhandene Kapelle an gleicher Stelle baufällig geworden war. Das schlichte barocke Gebäude sticht als Dorfmittelpunkt sofort ins Auge. Ein goldener Wetterhahn thront auf der Turmspitze. Die Kirchturmuhr schlägt zu jeder halben und vollen Stunde. Die Glocken läuten um 12 Uhr die Mittags- und um 18 Uhr die Abendstunde ein. Des Weiteren am Samstagnachmittag um 15 Uhr. Wenn in Westerfeld alle 14 Tage ein Gottesdienst stattfindet, können sich die Gemeindemitglieder darauf verlassen, dass sowohl eine Stunde vor und 10 Minuten vor Gottesdienstbeginn die Glocken daran erinnern. Eine sehr rührige Tradition wurde außerdem bis heute beibehalten. Stirbt ein Westerfelder, läutet die Küsterin am gleichen Tag um 17 Uhr die Glocken.
Umrahmt von zwei schönen Linden lädt die Kirche geradezu ein, den Gottesraum zu betreten. Hier die erste Überraschung: die Kirchenbänke haben Klapptürchen. Und von jedem einzelnen Sitzplatz besteht ein direkter Blickkontakt zur Predigtkanzel. In früheren Zeiten haben die Frauen unten im Kirchenschiff, die Männer oben auf der Empore gesessen. Die Sitzplätze wurden damals nach vorbestimmten Gesichtspunkten verteilt. Daraus hat sich dann zwangsläufig ergeben, dass die Reichen vorne, die Armen hinten saßen. Das wird zum Glück nicht mehr so gehandhabt! Einzig die Mitglieder des Kirchenvorstands behalten sich vor, an der seitlichen Kirchenwand zu sitzen, um u.a. ein wachendes Auge auf die Konfirmanden zu haben, die in der 1. Reihe der Kirchbänke Platz nehmen. Aber die Augen können nicht überall wachen. Seit Jahrhunderten lässt sich an mancher Kirchenbank eine eingeritzte Gravur nicht verbergen. Bis zur letzten Kirchenrenovierung vor drei Jahren hatte die Westerfelder Kirche keinen eigenen Wasseranschluss. Küsterin und Reinemacher mussten mühselig das Wasser in Kanistern den Kirchberg hoch in die Kirche tragen. Das Taufwasser brachte unsere Küsterin handwarm in einer Thermoskanne mit. Da das Gotteshaus nur über eine kleine Sakristei und keine weiteren Räume verfügt, wird oft für Festivitäten in der Kirche improvisiert. Zum Glück ist die Milchhalle nicht weit entfernt, dort findet dann auch der Konfiunterricht statt. Und der ortsansässige Gospelchor „Nah Dran“ verlegt in den Wintermonaten hierher seine Proben. Zur Westerfelder Kirche gehört noch die „Alte Schule“ in der Usinger Straße, in der der evangelische Kindergarten untergebracht ist und in der die Westerfelder jährlich ihr Gemeindefest am Erntedank feiern.
Heike Kremer vom Westerfelder Kirchenvorstand